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Geschichte

Die Musikkapelle Taufers i.M. wurde laut einer Aufzeichnung des in Taufers gebürtigen und im Kloster Marienberg verstorbenen Pater Josef Schguanin in den Wintermonaten 1861/62 gegründet. Ihr erster Kapellmeister war der Organist und Schulleiter Josef Fliri, dem später für seine Verdienste die Ehrenbürgerschaft der Gemeinde verliehen wurde. Aufzeichnungen über Zuwendungen der Gemeinde an die Kapelle im Laufe der darauf folgenden Jahrzehnte belegen deren fortlaufende Tätigkeit genauso wie verschiedene Fotos im Privatbesitz. Noch vor dem Ausbruch des ersten Weltkriegs, so geht aus schriftlichen Quellen hervor, befand sich die Kapelle aufgrund der Anschaffung neuer Trachten in einem finanziellen Engpass. Sie bat um Unterstützung seitens der Gemeinde, welche auch unter der Bedingung gewährt wurde, dass die Tracht nicht als persönliches Eigentum der Musikanten zu betrachten sei, sondern der Allgemeinheit gehören sollte. Während des ersten Weltkrieges wurde das Musizieren eingestellt, doch bereits 1919 lebte die Kapelle unter dem damaligen „Frühmessner“, dem heute weitum bekannten Pfarrer Toni Reisigl, wiederum auf. 1922 feierte die Kapelle ihr 60-jähriges Bestehen. Zu den Festlichkeiten waren die Musikkapellen aus Glurns, Mals, Schluderns und Müstair nach Taufers gekommen. Die italienischen Behörden zeigten sich den Feierlichkeiten gegenüber recht aufgeschlossen und öffneten sogar die italienisch-schweizerische Grenze. Doch schon bald darauf wurde jegliche Tätigkeit der Musikkapellen in Südtirol von der faschistischen Regierung verboten. In Taufers spielte die Blaskapelle mit Einschränkungen jedoch weiter, es gelang auch mit den Vertretern des Staates Vereinbarungen zu treffen, mit denen beide Seiten einigermaßen leben konnten. Die Musikkapelle spielte in der Faschistenzeit in schwarzen Hemden auf, im Gegenzug wurde so manche eigene Feier geduldet. Märsche mit einem Tiroler Titel durften offiziell nicht gespielt werden; es blieb den Musikanten nichts anderes übrig, als die Faschisten zu überlisten, indem sie beispielsweise Märsche wie den „Tiroler Adler“ in „Karl Marsch“ umbenannten oder einfach mit Zahlen betitelten, so dass sie weiterhin gespielt werden konnten. Der zweite Weltkrieg unterbrach die Musiktätigkeit im Dorf erneut. Nach 1945 nahm der Kapellmeister Alois Spieß, genannt „Luis Schmied“, die Zügel in die Hand und formte eine Musikkapelle, die weitum als eine der besten galt. 1957 wurde Ernst Schgör Kapellmeister, als Obmann zeichnete Alfons Dietl verantwortlich, der gleichzeitig viele Jungmusikanten ausbildete. Als weitere Instruktoren waren bis zur Einführung der Musikschulen vor allem Anton Hellrigl und Josef Rufinatscha unermüdlich tätig. 1976 übernahm Josef Rufinatscha den Taktstock und Alois Dietl die Obmannschaft. Der Generationswechsel brachte einen Aufschwung, der durch die regelmäßige Teilnahme an Wertungsspielen und Marschierwettbewerben seinen Ausdruck findet. Im Jahre 1978 wurden erstmals Mädchen in die Reihen der Musikkapelle aufgenommen und die Kapelle erreichte beim 11. Landesmusikfest 1985 als einzige Südtirols im Wertungsspiel D einen ausgezeichneten Erfolg. Alois Dietl übergab im Jahr 1999 die Obmannschaft an Siegfried Warger, auch der Dirigentenstock wechselte 2002 von Josef Rufinatscha zu seinem Sohn Michael. Auf Bestreben von Siegfried Warger wurde die Kapelle im Dezember 2001 mit Dekret des Landeshauptmannes Nr. 274/1.1 vom 28.12.2001 in das Landesverzeichnis der ehrenamtlich tätigen Organisationen eingetragen. Seit Dezember 2010 zeichnet Hanspeter Joos als Obmann für die Kapelle verantwortlich. Es liegt nun in den Händen der jungen Führung, den Fortbestand der Kapelle zu gewährleisten und an frühere Erfolge anzuknüpfen. Alois Dietl und Josef Rufinatscha wurden für ihre besonderen und langjährigen Verdienste zum Ehrenobmann bzw. Ehrenkapellmeister ernannt.

Besonderheiten der "Tauferer Musi"

Die Musikkapelle Taufers zeichnet sich besonders durch ihre tiefe Verwurzelung in der Dorfbevölkerung aus – sie wäre aus dem Dorfleben kaum mehr wegzudenken. Bei vielen kirchlichen und weltlichen Feierlichkeiten kommt durch ihre Musik eine besondere Stimmung dazu. Auch finanziell findet die Kapelle einen großen Rückhalt in der Bevölkerung; beim traditionellen Neujahrsblasen, wo auch heute noch drei Tage lang alle Häuser des Dorfes, der Weiler und die Höfe ihren „Neujahrsmarsch“ bekommen, wird die Aufopferung der Musikanten auch finanziell honoriert. Ohne die großzügige finanzielle Unterstützung der lokalen Raiffeisenkasse und der Gemeinde wäre der Fortbestand trotzdem gefährdet. Der größte Wert der Musikkapelle Taufers liegt wohl in der ausgeglichenen Mannschaft; neben den Jungmusikanten gibt es auch noch einige erfahrene und langjährige Musikanten; die Kapelle zählt heute insgesamt 44 Mitglieder. Eine weitere Einzigartigkeit besteht darin, dass der Kapellmeister aus dem eigenen Dorf stammt und absolut ehrenamtlich arbeitet – dies ist in Südtirol leider eine Seltenheit geworden.

Eine der schönsten Trachten im Tal

Besonders stolz ist man in Taufers auf die Tracht der Dorfkapelle. Gerade in der heutigen Zeit, wo vielen Kapellen des Vinschgaus von der Bozner Trachtenkommission eine neue, sich kaum unterscheidende Tracht aufgebrummt wird, sticht die Musikkapelle Taufers mit ihrer einzigartigen Tracht hervor. Auffallend sind dabei die Trachten der zwei Marketenderinnen, die eine schwarze, nach oben zulaufende Bärenfellmütze („Plusakopp“) tragen. Ihren Ursprung haben die Trachten der Musikanten und der Marketenderinnen im ehemaligen Tauferer Festtagsgewand; die Musikantinnen tragen die „Vinschger Tracht“.

Zukunftsperspektiven

Die wohl größte Herausforderung für die Kapelle besteht in der Pflege der Tiroler Kultur, im Weiterbestand des Vereins für das Dorf und in der Pflege der traditionellen Blasmusik, die uns überliefert wurde. Tiroler Werte wie Treue, Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit sollten auch weiterhin im Vordergrund stehen.